Dem Volk aufs Maul schauen…
Ne kinners, wat war dat schön, als noch kein Wahlkampf war.
Jetzt haben wir ihn wieder, den “brutalstmöglichen Populismus”. Ob der Bundestagspräsident die Managergehälter mit den Verdiensten von Fussballspielern beim FC Bayern vergleicht, der Sheriff aus Hessen, Roland Koch, das Jugendstrafrecht als “nichts anderes als Kuschelpädagogik” bezeichnet, oder Herr Kauder Bootcamps für Ausländer fordert.
Das Schlimme dabei ist nichtmals, dass sie es tun (naja, irgendwie schon), viel schlimmer ist es aber, das es funktioniert. Das Volk will es hören und wie schon vor Jahren wird der Inderfeind Roland Koch sein eigenes Versagen überdecken und tumbes Stammtischdenken salonfähig machen.
Vor Jahren hieß es “Kinder statt Inder!” heute heißt es “Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer.” (Und die Wirtschaft klagt immer noch über mangelnde Fachkräfte – das hätten die Jugendlichen sein können, die heute auf der Straße sitzen und nicht vernünftiges mit ihrer Misere anzufangen wissen. Koch hatte in Hessen acht Jahre Zeit an dieser Situation etwas zu ändern, Bildung ist schließlich Ländersache!.)
An sich ist diese Aussage völlig richtig. Wir haben definitiv zu viele kriminelle Jugendliche. Die Ungeheuerlichkeit liegt aber nicht darin, das ein großer Teil dieser „Jungkriminellen“ einen Migrationshintergrund haben, sondern das die einzige Lösung, die der christlichen Politik dazu einfällt ein „Schuss vor den Bug“ ist.
Das der Fehler u.a. im System namens Schule und einer verweigerten Integrationspolitik liegt, mögen die Herrschaften nicht hören. Da ist es einfacher den „Abschaum“ („[der] bewusst als ethnische Minderheiten Gewalt ausüb[t]“) wegzusperren, als gestaltende - nicht strafenden - Politik zu betreiben.
Und wieder einmal wird die Verantwortung von der Legislative weg, hin zur Judi- und Exekutive geschoben, die das kitten sollen, was die Politik verbockt hat!
Christus würde sich im Grabe umdrehen, aber das ist er ja dank Vatikan und katholischer Kirche in den letzten 2000 Jahren schon gewohnt. Wahrscheinlich ist im schon schwindelig.
Ebenso schlimm ist es, das es die christlichen deutschen Wähler goutieren wenn Politiker einfache Stammtischparolen herausposaunen. Da fühlen sie sich kuschlig warm, wie Sonntags in der Kirche, wenn sie Frömmigkeit heucheln um dann im nächsten Frühjahr wieder den Jakobsweg zu terrorisieren und im Sommer den Ballermann oder die Strände von Thailand.
Es ist eben eine alte “Weisheit”, dass man Wahlen gewinnt, wenn man dem Volk aufs Maul schaut. Armes Deutschland!
Links:
Kauder will Erziehungscamps für junge Straftäter (netzeitung)
“Brutalstmöglicher Populismus”(sz)
Koch legt nach, SPD schlägt zurück (spiegel)
Entsetzen über Roland Kochs Ausländerkritik (Die Welt)
Koch nach Äußerung zu Ausländern unter Beschuss (Reuters)










