Alles was wir über die Welt wissen, wissen wir aus den Medien. Dieser Satz der Medienwissenschaft ist nicht neu. Aber Medien bieten nur einen – subjektiven – Blick auf die Welt.
„Sarkozys Ausraster liefert seinen Gegnern neue Munition“ heißt der Spiegel-Artikel von Stefan Simons in er davon berichtet, das 40 Sekunden Video ausreichen um „Nicolas Sarkozy als unbeherrscht und vulgär bloßzustellen“.
Was ist geschehen?
„… Bis sich ein älterer Herr dem präsidialen Händedruck verweigert. “Fass mich nicht an”, grummelt der ältere Herr mit Brille. “Hau ab”, raunzt Sarkozy zurück. “Du machst mich schmutzig”, entgegnet der Gaffer provozierend. Und Sarkozy reagiert mit einem pampigen “Casse-toi, pauv’con!” - Hau ab, du Idiot.“ (Spiegelonline)
Von einem „fetzigen Schlagabtausch“ spricht Simons weiter, doch wer sich das Video anschaut sieht meiner Meinung nach nicht unbedingt einen fetzigen Schlagabtausch und vom Ausraster ist keine Spur. Wer des Französischen nicht mächtig ist, sieht ein langweiliges Schake Hands. Fetzig, weit gefehlt. Und unbeherrscht und vulgär würde ich es auch nicht sehen. Und wer einmal Werner Lorant an der im Stadion gesehen hat, wird sich hier erst recht langweilen.
Darf ein Präsident „Idiot“ sagen?
Natürlich ist es äußerst unpassend für einen Präsidenten einen Bürger, dem er schließlich dient, als Idioten zu bezeichnen. Es zeigt malwieder deutlich, wessen Geistes Kind Sarkozy ist, doch auch das ist nicht neu.
Aber ist der Dialog nicht eher von schlichter Natur?
“Fass mich nicht an”
“Hau ab”
“Du machst mich schmutzig“
„Hau ab, du Idiot.“
Spätestens nach “Du machst mich schmutzig“ hätte Sarkozy doch wirklich etwas geistreicheres antworten können, als ein erneutes „Hau ab,“ gewürzt mit einem schlichten „du Idiot.“
Wo sind die altgedienten Staatsmänner hin, die uns mit so großen Sätzen wie
„Dieser Mann hat keine Kontrolle über sich“ darauf aufmerksam machten, dass so einer (Strauß) auch keine Kontrolle über das Land haben dürfe. Oder mit einem schlichten „Bring mir mal ne Flasche Bier, sonst streik ich hier!“ nicht nur ihre Volksverbundenheit und ihre Vorliebe für Schüttelreimen bekundeten, sondern auch noch ihre Zugehörigkeit zu unseren Gewerkschaften mit kerniger Wortwahl unterstreichen.
Dem Satz des Sarkozy, genauso wie dem Artikel des Herrn Simon, fehlt es aber an jenem Esprit, den Sätze wie “Jamaika ist keine Option. Können Sie sich Angela Merkel oder Edmund Stoiber mit Dreadlocks vorstellen?” oder “Brennstabpolitische Sprecherin der Bundesregierung” versprühen.
Der Artikel „spiegelt“ nur den Trend wieder, Kleinigkeiten mit markiger Schreibe zu etwas aufzubauschen, was eigentlich niemanden hinterm Ofen hervorholen würde, wenn er gehießen hätte, „Französischer Präsident zeigt sich ungehalten“ist, nämlich, dass Sarkozy die schlimmste politische Fehlentscheidung seit der Wahl von George W. Bush ist.
Ob er jetzt seine Bürger Idioten nennt oder nicht, ist, als wenn John Wayne aus der Hüfte schießt. Aber, frei nach Angela Merkel, „Quote geht vor Kompetenz.“
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