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“Alles könnte auch anders sein, aber ich kann das nicht ändern.” - Niklas LuhmannPosts RSS Comments RSS
“Wir müssen mehr tun, um Jugendliche für unsere Demokratie zu interessieren und zu begeistern, denn sie sind die Zukunft dieser Demokratie“ (Claudia Roth, Hamburger Abendblatt, Immer mehr Politiker für Wahlrecht mit 16 )
“Wer Politikverdrossenheit bekämpfen will, muss dafür sorgen, dass Jugendliche sich verstärkt in die Gesellschaft einbringen und mitbestimmen dürfen.” (Heiko Maas, Hamburger Abendblatt, Immer mehr Politiker für Wahlrecht mit 16 )
Mit Verlaub, aber ich halte die Forderung nach einem aktivem Wahlrecht ab 16 für eine typisch sinnfreie politische Übersprungshandlung.
1. Der Ansatz Interessieren = Beteiligung funktioniert nicht!
An der Idee, das “Interessieren” auch automatisch zu mehr Beteiligung führt, wird genausowenig funktionieren, wie “Aufklärung” zu mehr “Zustimmung” gewführt hat. Daran ist schon die Atomlobby, Fleisch-Lobby (BSE), die Gentech-Lobby und so ziemlich jede andere Risikotechnologie der letzten 50 Jahre gescheitert. (Stichwort Public Understanding of Science, Risikokommunikation). Es würde mich wundern, wenn ausgerechnet die Politik das Rezept finden würde, das Wissenschaftler schon seit 20 Jahren so vergeblich suchen.
Auch über die zu erwartende Wahlbeteiligung der Jungwähler sollte sich niemand Illusionen machen, sie liegt schon jetzt deutlich unter der der Älteren. (Die Zeit,“Früher Demokratie wagen“, Carsten Lißmann)
Nur weil ein Mensch, egal wie jung er ist, darüber informiert, aufgeklärt oder unterrichtet wird, wie Politik funktioniert, heißt das noch lange nicht, das er sich auch beteiligt. Auch aufgeklärte und gebildete Menschen sind Nichtwähler!
2. Sollten 16 jährige nicht erstmal lesen lernen, bevor sie jetzt auch noch wählen „müssen“?
Reicht es nicht, dass die Jugendlichen ihr Abitur in 12 Jahren schaffen, in 3 Jahren ihren Bachelor machen und Medienkompetenz erwerben sollen?
Deutschland ist bildungstechnisch Mittelmaß, das Schulsystem ist stark renovierungsbedürftig, die Lehrer – ganz abgesehen davon, dass wir in den nächsten Jahren davon zu wenig haben werden – sind jetzt schon überfordert, von der Benachteiligung Jugendlicher „mit Migrationshintergrund“ einmal ganz zu schweigen.
Zudem ist Bildung Ländersache, ein hoch auf unser föderales System, ich freu mich jetzt schon auf 16 Konzepte „politischer Bildung“ in überfüllten Klassen, in denen überforderte Lehrer neben Ethik und Religion, Sport und Medienkompetenz jetzt auch noch Politik unterrichten sollen.
Ferner sind Jugendliche für Politiker doch labile Wracks, die Killerspiele spielen, sich mit Alkopops ins Koma saufen, bei Tokio Hotel ein zweites mal ins Koma fallen, mit Porno-Rap Deutschlands nächster Superstar und mit Silikonbrüsten Germany´s next Topmodel werden wollen und am 1. Mai Mülltonnen in Brand stecken - und die sollen plötzlich wählen? OMG!
3. Wahlberechtigte zwischen 18 und 60 verlieren das Interesse an Politik, wie kann man da auf die Idee kommen, dass sie für die Ü16 plötzlich interessant sein könnte?
Wenn man die Bundestagsreden von Franz-Josef Strauß, Herbert Wehner, Heinz Riesenhuber oder Helmut Schmidt mit denen von Angela Merkel, Frank Walter Steinmeier, Guido Westerwelle oder Claudia Roth vergleicht, wundert man sich nicht, dass niemand mehr an Bundestagsdebatten interessiert ist.
Wenn man die sozial-medialen Gehversuche von CDU, SPD, FDP oder Grünen anschaut, ahnt man, dass es noch ein weiter weg ist, bis sie dieses Terrain erfolgreich bespielen werden. (mehr)
Ferner würde es mich interessieren wie Roland Koch, Ilse Aigner, Dagmar Metzger, Philipp Rösler oder Malte Spitz sich neben Dieter Bohlen, Heidi Klum, Peter Fox, Bill Kaulitz, Sido, Lady Bitch Ray, Lady Gaga, Schnuffel oder dem hier
bemerkbar machen wollen?
4. Sie dürfen´s schon und tun es nicht!
Zu guter letzt haben 16-jährige das aktive Wahlrecht bereits in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.
Und was hat es gebracht?
In Niedersachsen insgesamt überschritt die Wahlbeteiligung nur knapp 50 % (51,5 %) und lag damit deutlich unter dem Landesschnitt insgesamt (64,5 %). (Kommunales Wahlrecht ab 16, Benedikt Hauser)
Was soll also das Ganze getue?
Wie waren nochmal die Aussagen der Politiker?
Warum “immer mehr” Politiker das Wahlrecht mit 16 wollen? Weil sie sich etwas davon versprechen! Leichte Beute…
Sie haben bei den 18-60 jährigen versagt, na gut, dann müssen eben jetzt die 16-18 jährigen dran glauben, die sind leicht zu beeinflussen, denen können sie ihre Worthülsen noch aufs Brot schmieren!
The World’s fastest version of the flight of the bumble bee, Rimsky Korsakov, by Hyun-Jung LI.